Ich habe versagt und versuche es nochmal
Vor 8 Monaten habe ich dieses Projekt hier groß angekündigt und Rabbatz gemacht. Es sollte regelmäßige Beiträge geben und mehr Außendarstellung als Vegan-Speaker. Ich wollte sie bieten: die Aufklärung mit Substanz.
Was darauf folgte waren acht Monate Stille.
Mit jeder Woche die vergangen ist und ich mich erneut nicht festlegen konnte, was ich als nächstes in die Welt brüllen will, hat sich das beschissene Gefühl des Scheiterns gefestigt. Gleichzeitig wurden die, für die ich hier sprechen wollte, weiterhin gezüchtet, gequält, benutzt und am Ende für den abschließenden Profit getötet. Jeden Tag passiert das, millionenfach. Und ich saß da und hab mich, ... naja, ich war einfach weg.
Ich muss mir nicht einreden, dass meine Postings oder mein Engagement daran jetzt etwas ändert. Das ist die radikale Akzeptanz, die man begreifen muss, wenn man sich für sowas einsetzt. Aber das heißt nicht, dass ich einfach so aufhören kann. Veränderung ist ein Prozess und dieser muss ständig am Laufen gehalten werden. Ich will dafür da sein, genau das zu tun.
In meinem ersten Beitrag habe ich die »Vystopie« erwähnt. Der tiefe seelische Schmerz, der entsteht, wenn man begreift, wie groß und vermeintlich unaufhaltsam dieses System ist. Ich habe deutlich gemacht, dass der Schmerz bleibt, aber erträglicher wird. Was ich nicht geschrieben habe: Es ist ein ständiger Kampf und manchmal kriecht dieses verdammte Gefühl in mich rein und dann sitze ich wieder einfach nur da kann gar nichts. Nicht, weil die Überzeugung fehlt, sondern weil Überzeugung alleine nicht reicht, um aus solch einer Ohnmacht rauszukommen.
Mir ist bewusst, dass das nicht nur mir so geht, viele von euch sind bereits vegan. Ihr kennt den Struggle, die Erschöpfung. Das sind keine Ausreden, nicht bei mir und nicht bei euch. Es ist die Realität, die einen ständig zurückdrängt.
Was das Schweigen kostet
Diese Reflexion erfordert auch, mir einzugestehen, dass ich neben den nicht-menschlichen Tieren auch viele Menschen im Stich gelassen habe, die sich auf etwas gefreut haben. Menschen, die diesen Blog gefunden haben und mehr wollten. Leute, die gerade in einem Prozess der Auseinandersetzung sind und denen ich einfach nicht mehr gegeben habe, obwohl ich genau bei diesem Prozess mitwirken will.
Und das betrifft nicht nur mich. Viele von euch kennen das. Ihr seid bereits vegan, ihr wisst, wie sich diese Erschöpfung anfühlt. Und genau deshalb will ich uns alle dazu anregen, den Realitäten ins Auge zu sehen. Wir müssen uns mit den Sachen beschäftigen, die wir nicht aussprechen wollen. Der oberflächliche und heroische Gedanke, dass wir alle Lebewesen einfach befreien können, ist irreführend. Wir müssen begreifen, was notwendig ist, um die Umstände zu verändern.
Ebenso lässt mich das Gefühl nicht los, dass ich die Opfer im Stich gelassen habe. Das klingt so pathetisch. Wie bereits erwähnt, ist mir klar, dass dieses Projekt hier nichts an deren Realität ändert. Aber ich habe damals selbst erlebt, wie ein einzelnes Gespräch, ein einzelner Impuls, etwas mächtiges anstoßen kann. Jeder Moment, in dem ich hätte aufklären können und es nicht getan habe, ist ein verpasster Moment. Die lassen sich nicht nachholen.
Das ist keine performative Selbstgeißelung, sondern einfach ein ehrliches Fazit.
Was jetzt bleibt
Ich könnte jetzt wieder schreiben: »Ab sofort wird alles anders!« Aber das wäre genau das Muster, das ich durchbrechen muss. Große Ankündigung und eine Durststrecke danach. Das kenn ich von mir.
Was ich stattdessen sagen kann: Ich bin wieder hier. Nicht weil alles gelöst ist. Nicht weil ich plötzlich die Kapazität für eine neue Regelmäßigkeit habe. Sondern einfach weil die Alternative - weiterhin nicht abzuliefern - schlimmer ist. Das erdrückende Schweigen ist kein Schutz, kein Teil von Heilung oder Energie tanken, sondern Stillstand.
Ich werde also realistischer sein. Kein fester Rhythmus, den ich nicht einhalten kann. Aber ich werde schreiben. Ich werde weiterhin streamen und ich werde Short-Content produzieren und wieder mein Ziel verfolgen. Ich habe etwas zu sagen, auch wenn es weh tut.
Das System läuft weiter, meine Erschöpfung darf dabei nicht den Mittelpunkt einnehmen.
Vielen Dank, dass du hier (wieder) vorbeigeschaut hast. Falls du noch gar nicht so sehr mit mir Vertraut bist, lies dir gerne meinen Grundsatz durch. Und in meinem ersten Blog-Post kannst du nachvollziehen, wie ich vegan wurde
Falls du mehr von meinen Inhalten mitbekommen möchtest, dann schau gerne auch auf Twitch - Tamaaa und Instagram - tamaaa.269 vorbei und trag dich gern hier unten auf der Seite in meinen Newsletter ein. Ich schreibe eine E-Mail, sobald es hier einen neuen Blogpost gibt oder ich andere relevante Inhalte auf Social-Media veröffentliche - im Rahmen meines neuen Auftritts als Vegan-Speaker.