Mein Grundsatz: Veganismus, Bewusstsein, Befreiung
Ich bringe mich auf dieser Plattform zum Ausdruck, weil ich der Überzeugung bin, dass wir mehr Stimmen brauchen, die sich mit Substanz für die Anerkennung und Akzeptanz von nicht-menschlichen Tieren einsetzen. Nicht als Nebenthema, nicht als Lifestyle, sondern als Fundament einer befreiten Gesellschaft.
Die Mauern der Normalität
Meine Perspektive auf Veganismus ist mehr als eine Haltung zum Konsum. Veganismus ist für mich eine bewusste Entscheidung, ein System zu hinterfragen, das Leben zur Ware macht. Eins, das nur so funktioniert und den Wert von wirklich allem daran misst, wie nützlich oder verwertbar es ist. Es geht nicht nur um Empathie oder persönliche Entwicklung, sondern um das Verständnis von Herrschaft, Unterdrückung und Verwertung. Veganismus bedeutet, die Normalität dieser Gewalt zu durchbrechen. Er verändert, wie ich die Welt sehe, wie ich sie bewerte und wie ich mich selbst darin verorte.
Nicht-menschliche Tiere sind »jemand«, nicht »etwas«. Dieser Satz ist so einfach daher gesagt, aber ihn zu verinnerlichen, ist eine große Herausforderung. Irgendwann begann der Mensch, Leben in Kategorien zu teilen: nützlich oder nutzlos, höher oder niedriger, essbar oder schützenswert. Aus dieser Einteilung entstand ein Weltbild, in dem nicht-menschliche Tiere ihren eigenen Wert verloren. Sie wurden zu Objekten, zu Besitz, zu Werkzeugen für unsere Zwecke. Doch wer fühlt, wer Schmerz, Freude oder Angst kennt, wer eigene Interessen hat, ist kein Ding, sondern ein Subjekt mit einem eigenen Leben, das nicht uns gehört.
Die Gewalt gegen sie braucht also keine Erklärung, sie braucht Rechtfertigungen. Und genau diese Rechtfertigungen hat der Mensch über Jahrtausende perfektioniert: religiös, wissenschaftlich, wirtschaftlich. Alles, um diese Gewalt wie Normalität aussehen zu lassen.
Als ich das anerkannt habe, konnte ich die Gewalt, die ich ihnen angetan habe, nicht mehr als Normalität akzeptieren. Es war verdammt anstrengend, da auszubrechen. Und nun lebe ich im ständigen Bruch mit der Gewohnheit. Jedes Mal, wenn ich durch einen Supermarkt gehe, sehe ich, wie Leichenteile, Milch, Eier - wie Leben in Produkte übersetzt werden. Es sind Symbole eines Systems, das mir beigebracht hat, dass Leben nur dann zählt, wenn es nützlich ist.
Gewalt als System, nicht als Ausnahme
Diese Gewalt ist kein Ausrutscher, sondern ihre Funktion. Das Züchten, Benutzen, Quälen und Töten - all das gehört zur Logik der Verwertung. Die Tierindustrie ist nicht das perverse Ende eines eigentlich humanen Systems, sondern sein ehrlichster Ausdruck. Dieselbe Logik steckt auch in der Ausbeutung menschlicher Arbeit, in der Zerstörung der Umwelt, aber allen voran in der Art, wie Besitz über Leben gestellt wird.
Damit zu brechen, bedeutet, die Mauern einzureißen - die inneren als auch die gesellschaftlichen. Die Mauern, die verhindern, dass ich erkenne, wie tief ich in diesem System verstrickt bin. Mauern, die ich hochgezogen habe, damit ich diese grausame Scheiße ertrage. Ich bin Teil dieses Systems. Ich zahle, ich konsumiere, ich funktioniere. Aber ich verweigere die Zustimmung. Ich weigere mich, Gewalt als Preis des Fortschritts hinzunehmen.
Veganismus ist für mich kein privater Verzicht, sondern Widerstand gegen die Perversion, dass ein Leben einem Zweck dienen muss, um Wert zu haben. Diese Haltung ist unbequem, weil sie mich zwingt, nicht nur mein Verhalten, sondern mein gesamtes Weltbild infrage zu stellen. Aber genau das ist notwendig. Veränderung beginnt dort, wo ich die Normalität der Gewalt nicht länger verteidige.
Der Bruch, der bei uns selbst beginnt
Ich glaube, Befreiung beginnt nicht als großer, kollektiver Akt. Sie beginnt in dem Moment, in dem die Widersprüche in uns spürbar werden. Wenn wir merken, dass das, was uns als normal verkauft wird, nicht mit dem Leben vereinbar ist. Diese Erkenntnis ist meine innere Revolution. Die ist kein Ersatz für politische Veränderung, aber sie ist ihr Ausgangspunkt. Denn ohne Bewusstsein kein Handeln, ohne Einsicht keine Bewegung.
Die Herrschaft über nicht-menschliche Tiere ist die älteste, tiefste und selbstverständlichste Form von Unterdrückung. Jede Struktur, die den Menschen heute unterdrückt, stammt aus dem Selbstverständnis, dass wir über anderen Lebewesen stehen. Diese Unterdrückung zeigt sich in unserer Sprache, unserer Religion, unserer Ökonomie. Sie ist zur Wurzel geworden, aus der jede andere Form von Herrschaft wachsen konnte. Wer diese Wurzel nicht sieht, kann die Struktur von Unterdrückung nie vollständig verstehen.
Veganismus ist für mich deshalb der erste bewusste Bruch mit dieser Struktur. Kein Ziel, keine Reinheit, keine persönliche Flucht. Sondern eine klare Entscheidung, nicht länger mitzuspielen. Ich will eine Welt, in der Leben nicht nach Nützlichkeit bewertet wird. Eine Welt, in der kein Wesen Eigentum ist. Eine Welt, in der wir nicht länger Mauern brauchen, um zu überleben.
Denn erst wenn wir mit der Herrschaft über nicht-menschliche Tiere brechen, können wir verstehen, was Befreiung wirklich bedeutet. Und wir sind erst frei, wenn niemand mehr benutzt wird, um den Wert eines anderen zu sichern.