Chaos im Kopf - mehr nicht
Seit meinem letzten Post sind schon wieder vier Monate vergangen. Gestern haben Zuschauende des Livestreams entschieden, dass es hier einen neuen Beitrag geben muss. Ich habe mir die Nacht über einige Gedanken gemacht. Ich bin ja nun im Zugzwang.
Aber über was soll ich schreiben? Es gibt ja auch einen Grund, wieso die letzten Monate nichts kam. Ich bin ja nicht einfach faul, sondern ich zweifel ständig meinen eigenen Impact an und verliere mich im Wirrwarr.
Nun muss ich aber was posten - ich habe es versprochen. Also schreib ich einfach. Ich lasse mich darauf ein, euch mitzuteilen, welches Chaos sich breitmacht, wenn ich anfange, mir über den Veganismus und mein Leben Gedanken zu machen.
Bestandsaufnahme
Es beginnt damit, mir anzuschauen, wie es in meinem Umfeld aussieht. Damit meine ich persönliche Kontakte, aber auch Communities, Räume, in denen ich mich flüchtig aufhalte, vegane Angebote, wo ich einkaufen gehe. Also alles, was mir im Alltag immer mal wieder begegnet.
Schnell macht sich Ernüchterung breit. Im erweiterten Familienkreis haben sich nicht plötzlich Leute für die vegane Lebensweise entschieden. In den Räumen, in denen ich mich aufhalte, gab es keine nennenswerte Entwicklung, offener über diverse Themen zu sprechen und sich gemeinsam für irgendein Anliegen einzusetzen. Die Läden, in denen ich einkaufe, haben entweder ein völlig unverändertes veganes Angebot oder es abgebaut. Veganismus begegnet mir nur da, wo ich ihn zum Fokus machen will. Convenience-Produkte werden grundsätzlich immer teurer und ich bin hin- und hergerissen, das alles zu verteufeln oder es freudig zu kaufen und anderen davon zu erzählen.
Ich weiß nicht mehr, wo ich stehe. Ich bin frustriert. Der Stillstand ist erdrückend.
Wut und Frustration
Und dann beginnt der fließende Übergang. Der Umstand verärgert mich. Wenn es um das Wirtschaftliche geht, wunder ich mich weniger. Der »Hype« ist seit Jahren vorbei. Unternehmen setzen vielleicht noch in einer Nische auf den Veganismus. Aber ansonsten haben sich die Big Player etabliert und vereinnahmen den Markt mit ihren Produkten. Innovationen bleiben aus, werden sogar über die Politik verhindert. Und wenn mal ein neues Produkt erscheint, dann ist der Preis häufig so dermaßen frech - Wahnsinn. Und dann denk ich auch wieder an meine eigenen Einkommensmöglichkeiten, bspw. Werbung, und ich will dafür keine Werbung machen, wenn das so unnormal teuer ist?! (Okay, ich hab gesagt, es wird chaotisch, und eigentlich müsste ich nun bei dem Thema weitermachen, weil ich es angestoßen habe, aber ein bisschen Ordnung braucht es dann doch, wenn ich mit Subheadlines arbeite, daher setzen wir das gleich fort.)
Also weiter mit der Wut und Frustration: Progressive Menschen widmen sich aktuell dem bürgerlichen Antifaschismus und suchen da ihre persönliche Bestätigung, ein guter Mensch zu sein, statt sich aktiv zu hinterfragen.
Wieso schaffen es diese ignoranten Vollspaten nicht, einfach vegan zu leben? Was ist denn so schwer daran, keine toten Tiere zu kaufen? Ihr dämlichen Pisser, ich bin so wütend auf euch. Ich will nicht wütend sein. Ich will euch verstehen und euch helfen, aber man, wieso seid ihr so verdammt ignorant?
Und dann habe ich das Bedürfnis, jede Person zu kontaktieren, die ich kenne, und damit zu konfrontieren, wieso sie nicht vegan lebt. Das wiederum bedeutet, dass diese elendige Gratwanderung wieder beginnt: »Sei bloß nicht zu gemein, zu direkt, zu angreifend. Hab Verständnis für deren Situation, Christian. Du hast selbst länger gebraucht.« JA, OKAY, ABER HALT DOCH DIE FRESSE?? Diese ständigen Einschränkungen...
Die Leute sollen doch nicht denselben Fehler wie ich machen. Veränderung findet nicht statt, wenn sich niemand ändert.
Außerdem ist die Welt doch schon am Brennen. Mehr und mehr Menschen müssen lauter und lauter um ihre Existenz kämpfen. Völker werden abgeschlachtet, Eskalationen links und rechts und ich stehe da und rufe »Denkt doch aber mal an die Kinder Tiere!« Soll ich mich jetzt aber dafür schlecht fühlen? Nein, lol. Wir können alle gemeinsam um unsere Existenz kämpfen und dabei verinnerlichen, einfach KEINE TIERE UMZUBRINGEN, WEIL WIR CHICKEN TENDER SO GEIL FINDEN!?
Boah, das frustet so. Da sind Menschen, die machen so gute Sachen, so wertvolle Aktionen, oder ich find die einfach sympathisch und dann sind die bei diesem Thema aber einfach so dermaßen verkopft - es ist unerträglich. Ich will schreien. Ich will die auch anschreien, will Klarheit und Reflexion einfordern, aber wer bin ich in deren Leben? Wieso sollte ich mir rausnehmen können, die zu konfrontieren.
Und aus der Frustration entsteht dann aber auch wieder was...
Motivation und Recherche
Wenn ich die richtigen Worte finde, dann kann ich die Leute vereinen. Ich selbst muss mich mehr einbringen. Ich werde einen Blogpost schreiben. Ich werde endlich diesen Short-Content machen, wie ich es seit einem Jahr vorhabe. Ja, das ist eine gute Idee. Ich krieg das hin.
Was bietet der Markt so? Welche Influencenden sind so aktiv und was machen die? Wie stehts eigentlich um die Orgas aktuell, die Tierbefreiung machen? Welche Skandale sorgen für Aufruhr und was bewegt die Menschen? Warte, wieso reden die meisten der klickstarken Influencenden nur relativierendes Zeug? Hä, die sind noch immer in der Position, »Verbesserungen« zu fordern? Abolitionismus hat sich in der Bewegung noch immer nicht verbreitet? Systemkritik ist kein Bestandteil des eigenen Auftritts? Es wird sich noch immer die Frage gestellt, mit welchem Bologneserezept ich nun meinen besten Freund vom Veganismus überzeuge?
Ernüchterung und Selbstinvalidierung
Okay, es hat sich nichts verändert. Das Internet ist voll von Aufklärung, aber das System ist zu mächtig. Ich bin eh nicht relevant. Ich habe keine interessanten Aufrufzahlen und die Leute, die ich erreiche, sind doch sowieso schon an dem Punkt, dass sie den ganzen Scheiß raffen. Was soll ich da mit einem scheiß TikTok bewegen? Hab übel Bock darauf, mir von irgendwelchen Klappspaten in einer Kommentarzeile anzuhören, wie lecker der Döner schmeckt.
Aber gut, ich bin unzufrieden mit den ständigen Relativierungen von anderen - ich muss es besser machen. Aber wieso denke ich eigentlich, dass ich es besser machen könnte? Was fällt mir ein? Warum bin ich so toxisch? Die wollen doch auch nur, dass mehr Menschen vegan werden, und so wie ich nicht die perfekte Lösung habe, haben die sie auch nicht. Das ist doch jetzt unfair.
MAAAAAN, WERDET DOCH EINFACH ALLE VEGAN UND RAFFT, DASS WIR ALLE UNTERDRÜCKT WERDEN, AAAAAHHHH!!!
Okay, das hats jetzt gebracht. Auch der Blogpost hier wird bestimmt vielen die Augen öffnen. Ich sitze hier seit über einer Stunde und schreibe diesen Schwachsinn runter, während ich Mimis Stream schaue, und gleich werde ich GTA ROLEPLAY spielen.
Reflexion
Ich kann die Welt nicht verändern. Ich kann die Ungerechtigkeit nicht beenden und alle Menschen dazu zu bekommen, meine Lebensphilosophie zu übernehmen, ist mir auch nicht möglich. Aber das ist auch in Ordnung. Ich habe meinen Wirkungskreis. Es ist absolut okay, dass der auch nur beschränkt ist. Irgendwas gebe ich den Leuten schon Positives mit, wenn sie meinen Content verfolgen, meine Texte lesen oder wir uns einfach nur gemeinsam die Zeit vertreiben.
Ich appelliere weiter. Die Zustände, auf denen meine Gedanken aufbauen, sind real. Der Frust ist real, die Wut ist real, die Motivation bewegt etwas, egal wie klein der Fortschritt ist, und am Ende muss ich mich einfach damit abfinden, in welchem Zustand die Gesellschaft ist, und wieder meinen Platz einnehmen. Ich bin Mensch von über acht Milliarden - 1 von 8.000.000.000. Ich bin kein Messias. Ich bin Christian. Ich lebe vegan und ich hoffe, du bist es auch. Wenn das noch nicht der Fall ist, dann lass uns doch gern darüber reden und ich versuche dir zu erklären, warum es so ungemein wichtig ist. Nicht nur für mich, sondern auch für dich - schon jetzt.
Noch zur Sache mit der Werbung: Es ist so frech, wie teuer die Sachen geworden sind und wie viel teurer sie noch werden. Die Kluft zwischen den Konsumentengruppen - gerade bei einer Nische wie dem Veganismus - wird immer größer und eigentlich sind Convenience-Produkte und Brands und alles, was dazugehört, eine Sache, die den Alltag auf angenehme Art erleichtern, aber Junge, wie krass ist das eskaliert in den letzten Jahren? Ja, die kosten nun mal mehr, aber inzwischen gibt es dazu selbst in meiner Welt kein gesundes Gleichgewicht mehr. Produkte sind entweder dumme Scheiße oder viel zu teuer und ich kann und will mich einfach nicht darauf einlassen, für ein scheiß Multinährstoffpräparat Werbung zu machen, das nicht ordentlich zusammengesetzt ist oder deren Brand euch zusätzlich legit Schwurbelscheiße andrehen will - nur ein Beispiel von vielen. Ich wünschte, ich könnte den Menschen einen gesunden und gerechten Zugang zu möglichst fairen Konditionen in dieser unfairen Welt ermöglichen. Ich würde davon profitieren. Mein Umfeld würde davon profitieren und diese erdrückende Existenzangst könnte etwas abnehmen - und die ist FUCKING HUGE!
Aber eigentlich will ich auch damit nichts zu tun haben. Es ist alles dumm-arsch-scheiße. Aktuell gehts wieder um Adventskalender und ich will KOTZEN. Aber ich will euch auch nicht wieder alles madig reden. Denn wer bin ich denn, euch auch diese Gewohnheit wieder schlecht zu reden? Und so beginnt der Kreislauf wieder erneut...
Vielen Dank, dass du hier (wieder) vorbeigeschaut hast. Falls du noch gar nicht so sehr mit mir Vertraut bist, lies dir gerne meinen Grundsatz durch. Und in meinem ersten Blog-Post kannst du nachvollziehen, wie ich vegan wurde
Falls du mehr von meinen Inhalten mitbekommen möchtest, dann schau gerne auch auf Twitch - Tamaaa und Instagram - tamaaa.269 vorbei und trag dich gern hier unten auf der Seite in meinen Newsletter ein. Ich schreibe eine E-Mail, sobald es hier einen neuen Blogpost gibt oder ich andere relevante Inhalte auf Social-Media veröffentliche - im Rahmen meines neuen Auftritts als Vegan-Speaker.